PROJEKTBESCHREIBUNG

Wikingerhelm oder Tirolerhut?
Wikingerhelm oder Tirolerhut?

Stereotype Klischees findet man auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze. Das gegenseitige deutsch-dänische Verständnis innerhalb des INTERREG-Fördergebietes scheint jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein. So gehört ein interkulturelles Miteinander im grenznahen deutsch-dänischen Gebiet in vielen Bereichen vermutlich zur Normalität. Je weiter man sich jedoch auf beiden Seiten von der Grenze entfernt, desto größer wird auch der kulturelle und mentale Abstand, während gleichzeitig das gegenseitige Wissen über einander geringer und somit das interkulturelle Bewusstsein kleiner wird. Außerhalb der engeren Grenzregion wird das Potenzial grenzüberschreitender Zusammenarbeit u.a. aufgrund der geografischen Entfernung kaum wahrgenommen und es gibt wenig Interesse an und Wissen über einander. Die Unterstützungserklärungen zum Projekt aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft und von Ausbildungsinstitutionen zeigen, dass nationale Stereotype im deutsch-dänischen Kontext sehr lebendig sind und im wirtschaftlichen Zusammenhang durchaus als ein Problembereich angesehen werden. Es wird auch darauf hingewiesen, das Wissen über Stereotype und ein dadurch entstehendes gegenseitiges kulturelles Verständnis u.U. einen gewinnbringenden Wettbewerbsvorteil in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bringen kann.

 

Tatsache ist, dass auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze noch gesichertes Wissen darüber fehlt, ob und wie die gegenseitige deutsch-dänische Wahrnehmung von Vorurteilen oder positiven Stereotypen beeinflusst wird. Außerdem fehlen Kenntnisse und Erfahrungen dazu, wie dieses Wissen zur Verbesserung der interkulturellen Kommunikation in der Wirtschaft und im öffentlichen Bereich z.B. in Werbung und Marketing, im Fremdsprachenunterricht in den Schulen sowie in der Ausbildung von deutsch-dänischen Kommunikationsexperten, umgesetzt werden könnte. Die meisten vorhandenen Untersuchungen zu dänisch-deutschen Stereotypen und Nationen-Images liegen 10-15 Jahre zurück. Es liegt daher auf der Hand, dass diese weder neuere sozio-kulturelle oder kommunikative (elektronische Kommunikation, Internet) Entwicklungen berücksichtigen noch den heutigen Stand adäquat beschreiben können.

 

Im deutsch-dänischen Grenzraum – sowie generell in der deutsch-dänischen Zusammenarbeit – kann fehlendes Wissen über kulturelle Prägungen und das Nichtbeachten gegenseitiger negativer Stereotype zu Problemen in Werbung und Marketing führen und somit negative Auswirkungen auf sowohl das wirtschaftliche Wachstum als auch die gesellschaftlich-kulturelle Akzeptanz des Anderen haben. Es wird auch vermutet, dass Stereotype außerdem die Wahrnehmung von Menschen und Produkten und somit unbewusst eine Kaufentscheidung positiv beeinflussen kann. Mit der Aufdeckung von Stereotypen und einer exemplarischen Umsetzung deren wirtschaftlichen Potenzials in Praxis in für die Grenzregion wirtschaftlich relevanten Bereichen – Werbung, Marketing, Branding - sollen mit dem Projekt Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, mit denen interkulturelle Probleme minimiert werden können.

In den letzten Jahren hat der Begriff interkulturelle Handlungskompetenz, zu der u.a. Wissen über Mentalitätsunterschiede und gegenseitige stereotype Vorstellungen gehört, in der Diskussion über den Fremdsprachenunterricht in Dänemark eine zentrale Rolle gespielt. Es fehlt jedoch eine eindeutige Definition dessen, was genau der Begriff interkulturelle Handlungskompetenz bedeutet und welche Aspekte in ihn einfließen. Solange eine empirisch fundierte Beschreibung des konkreten Inhaltes der dänisch-deutschen interkulturellen Kompetenz aussteht, bleibt deren Vermittlung im Fremdsprachenunterricht problematisch. Dasselbe gilt für die dänisch-deutsche Organisations- und Wirtschaftskommunikation. Es gibt zwar neuere Ratgeber für die deutschsprachige Kommunikation dänischer Firmen, diese sind jedoch i.d.R. sehr allgemein formuliert und meist ohne konkrete Beispiele für die Gestaltung der Kommunikation in der Praxis.

 

Hier schließt dieses Projekt eine große Lücke und mit der Umsetzung der Projektresultate in der Praxis in konkreten Materialien für die interkulturelle Kommunikation und den Unterricht zeigen wir den letzten Schritt auf dem Weg von empirischen Daten über wissenschaftliche Beschreibung zur wirtschaftlich relevanten Anwendung – einen Schritt, der in anderen Projekten häufig ausbleibt. Hier sehen wir v.a. einen großen Nutzen für kleine und mittelständische Firmen auf beiden Seiten der Grenze, die darauf angewiesen sind, ihre grenzüberschreitende Vermarktung zumindest z.T. selbst zu gestalten und sie nicht – wie es viele große Firmen und internationale Konzerne tun – darauf spezialisierten Agenturen überlassen können.

 

Das Projekt reiht sich in eine Reihe anderer aktueller und abgeschlossener INTERREG-Projekte unter Priorität 3 wie KulturDialog, NexusPro 2017, Unter Nachbarn, Live – Paralleles Lernen im Grenzland und Kulturbrücke, die ebenfalls zum Ziel haben, Stereotypen aufzudecken [1], mentale Barrieren abzubauen, das gegenseitige sprachlich-kulturelle Verständnis und die interkulturelle Zusammenarbeit zu fördern. Resultate aus diesen Projekten gehen in dieses Projekt ein, thematisch platzieren wir uns jedoch in einem Bereich, den sie bisher meist nur am Rande berühren, nämlich sprachlich-kulturelles Wissen und interkulturelle Kompetenzen in der grenzüberschreitenden Kommunikation unter Berücksichtigung sowohl wirtschaftlicher als auch fremdsprachendidaktischer Aspekte. Sprachlich-kulturellem Wissen in der Ausbildung wird dabei eine entscheidende Rolle zugeordnet, denn die jetzigen Lerner sind einer der wichtigsten Multiplikatoren für die interkulturelle Kompetenz in der deutsch-dänischen Wirtschaft in der Zukunft.

[1] Insbesondere die Resultate in den Berichten zu den Einstellungen Jugendlicher zum Nachbarland (Unges holdninger til nabolandet), 2002.

Dr. phil. Erla Hallsteinsdóttir 

Aarhus Universitet

Institut for Kommunikation og Kultur

Jens Chr. Skous Vej 4

8000 Aarhus C

Danmark

 

Prof. Dr. Jörg Kilian

Christian-Albrechts-

Universität zu Kiel

Germanistisches Seminar

Olshausenstraße 40

24098 Kiel

Deutschland